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Reihe Laufend · 3 Beiträge · Bibel lesen

Kohelet — Glaube ohne Illusionen

Das Buch Kohelet (oder „Prediger") ist die nüchternste Stimme der Bibel. Es spricht über Vergänglichkeit, Sinnlosigkeit, Tod — und endet trotzdem im Glauben. Eine Reihe für Christen, die ehrlich nachdenken wollen.

Kohelet (lateinisch Ecclesiastes, deutsch oft „Der Prediger") ist eines der seltsamsten Bücher der Bibel. Es spricht so nüchtern über Vergänglichkeit und Sinnlosigkeit, dass viele Christen es lieber überspringen — oder es zu schnell zu einer freundlichen Botschaft zurechtbiegen. Diese Reihe nimmt Kohelet beim Wort: als die kanonische Erlaubnis, auch im Glauben unbequeme Fragen zu stellen. Wer mit Illusionen aufräumen will, ohne den Glauben dabei zu verlieren, findet hier eine biblisch verankerte Linie.

Kohelet steht im Alten Testament zwischen Sprüche und Hoheslied, in der Sammlung der sogenannten Weisheitsbücher. Es ist mit zwölf Kapiteln kurz, mit seiner Konzentration auf das Vergängliche aber inhaltlich schwer. Die Tradition schreibt es Salomo zu — „der Sohn Davids, König in Jerusalem” (Koh 1,1) — auch wenn die historische Verfasserschaft seit Jahrhunderten diskutiert wird.

Das Buch kreist um ein einziges Wort: das hebräische hævæl, in der Einheitsübersetzung mit „Windhauch” übersetzt, in älteren Übersetzungen mit „Eitelkeit”. Es meint: Hauch, Atem, das, was sofort verfliegt. Kohelet beobachtet die Welt — Arbeit, Reichtum, Vergnügen, Weisheit, sogar die Gerechtigkeit — und stellt immer wieder denselben Satz aus: Alles ist Windhauch.

Wir lesen Kohelet in dieser Reihe als das, was es ist: nicht als pessimistischen Ausnahmefall im Kanon, sondern als die nüchterne Stimme, ohne die der biblische Glaube unehrlich würde.